Japanischer Multimillionär zahlt 5,5 Millionen Euro
Was bei Bund und Ländern schon lange üblich ist, muss jetzt auch die Stadt Ludwigshafen praktizieren. Den Verkauf des Tafelsilbers in Form von stadteigenen Immobilien. Ein Haushaltsloch von mehrere Millionen Euro hat die Rathausspitze veranlasst, die Pegeluhr auf der Parkinsel für 5,5 Millionen Euro an einen japanischen Geschäftsmann zu verkaufen.
Diese Nachricht dürfte wie eine Bombe einschlagen und noch lange die Lokalpolitik beherrschen: Die Pegeluhr soll bald nicht mehr auf der Ludwigshafener Parkinsel, sondern in einem privaten Freizeitpark in Tokio stehen. Nach den Plänen der Rathauspitze sollten die Bürger erst im Herbst, zum Beginn der Zerlegungsarbeiten, vom Notverkauf des Wahrzeichens des Stadtteils erfahren. Durch Zufall liegen bereits jetzt exklusiv die Fakten auf dem Tisch. Aber der Reihe nach.
Im vergangenen Jahr besichtigte der japanische Geschäftsmann Orenoto Kamadkeschi (42) mit einer Reisegruppe aus Tokio das Werksgelände der BASF. Dabei wurde bei einer Stadtrundfahrt auch das Umfeld der BASF Anlagen besichtigt. Kamakeschi zeigte sich von der Architektur der Pegeluhr begeistert und bat ein bisher namentlich nicht benanntes Vorstandsmitglied der BASF, den Kontakt zur Oberbürgermeisterin herzustellen. Noch ein zweites Mal besuchte der Japaner die Ludwigshafen und die Parkinsel, dieses Mal im Beisein von Baudezernent Merkel und der Oberbürgermeisterin Lohse. Was die Oberbürgermeisterin zunächst für einen Scherz hielt, erwies sich alsbald als voller Ernst: Orenoto Kamadkeschi, Inhaber einer japanischen Multimedia-Kette mit 423 Filialen, wollte den Pegeluhr für seinen privaten Freizeitpark in Tokio erwerben. Dort hat er bereits Bauten und Denkmäler aus aller Herren Länder zusammengetragen. „Dieses ist seit zehn Jahren ein Hobby von mir, und das lass ich mich auch einiges kosten“, so Kamadkeschi in einem kurzen Telefon-Interview. Der Kaufvertrag wurde ohne Information der Öffentlichkeit bereits notariell beurkundet. Nicht weniger als 5,5 Millionen Euro bot der Japaner der Stadt für die Pegeluhr. Nach Aussage eines Ludwigshafener Politikers, der nicht namentlich genannt werden möchte, machten es sich die Stadtoberen nicht leicht mit der Entscheidung, konnten aber letztlich aufgrund der finanziellen Lage und den anstehenden Kosten im Zusammenhang mit dem Zollhofausbau einfach nicht nein sagen. Nur wenige Personen waren in die Entscheidung mit eingebunden. Vielleicht könne im Hinblick auf die ständige Forderung der FWG mit dem Geld sogar endlich ein zukunftsfähiges und tragfähiges Bäderkonzept entwickeln, hofft Fraktionssprecher der FWG Rainer Metz. Die Aufsichts und Dienstleistungsdirektion in Trier befürwortet den Verkauf und verweist auf die zahlreich vorhandenen attraktiven Gebäude der Stadt Ludwigshafen und auf die Möglichkeit zur Aufhebung der Haushaltssperre hin. Der Ortsvorsteher Christof Heller fordert zumindest ein Mitspracherecht bei der Neugestaltung des Standorts nach Entfernung der Pegeluhr. Anders der stellvertrende Ortsvorsteher Bernd Laubisch, für den der Verkauf der Pegeluhr ein ganz übler Scherz sein. Er finde einfach keine Worte mehr. Beide wurde erst gestern über den Vorgang informiert wurden.
Während Frau Oberbürgermeisterin Lohse das Filmfestival für die nächsten 10 Jahr finanziert sieht, mahnt der Sozialdezernent und OB Kandidat Wolfgang Van Vliet vor einem weiteren Ausverkauf identitätsstiftender Kulturgüter und weist darauf hin, dass nicht alles ein Preis habe. Weshalb die Parteien und der Stadtrat letztlich nicht in die Entscheidung eingebunden wurden, konnte nicht mehr in Erfahrung gebracht werden. Mitglieder aller Fraktionen haben eine Sondersitzung des Stadtrats gefordert.
Wahrscheinlich werden aber Proteste keinen Erfolg haben: Eine Finanzspritze von 5,5 Millionen Euro ist für die Stadt viel Geld. Anders sieht es offensichtlich bei Orenoto Kamadkeschi aus, der, ohne dass ihm dabei das Lächeln vergeht, noch eine weitaus höhere Summe für den Abbau, Transport und Wiederaufbau in Kauf nimmt. Statt das Noch-Wahrzeichen der Parkinsel Stein für Stein abzutragen, lässt er eine eigens für solche Zwecke entwickelte überdimensionale Trennscheibenmaschine aus Tokio importieren. Damit ist es möglich, den Bau in fünf Teile zu zerlegen (siehe Foto). Jedes einzelne wird dabei mit einer Art Maschendraht umspannt und mit einer Gummilegierung versehen, so dass alles stabil zusammenhaftet. „Transport der Trennmaschine von Tokio nach Deutschland, Zerlegung und der Transport des Turms nach Japan dürften wohl die gleiche Summe verschlingen wie der eigentliche Kauf“, erklärte Orenoto Kamadkeschi.
Zunächst muss das Gebäude nun entkernt werden, wobei die Holztreppen erhalten bleiben sollen. Diese Arbeiten sollen schon - trotz der vielen Proteste – im April beginnen. Die Oberbürgermeisterin ist diesmal fest entschlossen sich durchzusetzen und weist auf die vertragliche Bindung der Stadt hin. Im Herbst ist dann das gesamte Logistik-Know-how der Fachleute gefragt, die dafür sorgen müssen, dass die fünf Turmteile per Schwertransport nach Bremen zum Containerhafen befördert werden. Mit dem Containerschiff geht’s dann nach Tokio. Pegeluhr ade !
Dort, wo nach dem Abtransport eine Lücke klafft, muss der Japaner laut Vertrag auch für die Neupflasterung und Randbegrünung aufkommen. Wie kurz vor Redaktionsschluss noch zu erfahren war, schenkt er der Stadt voraussichtlich einen bronzenen Bhudda aus seiner Sammlung, den er an eben jener Stelle aufstellen lassen wird. Alle Arbeiten sollen in jedem Fall innerhalb eines Jahre - also bis zum 1. April 2010 - abgeschlossen sein . (mw)